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Fische & Natur - Gewässeruntersuchung

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Fischökologische Untersuchung der Fulda 2014 in unserer Pachtstrecke.

Der SAV-Bebra hat eine fischökologische Untersuchung der Fulda im Bereich unserer Pachtstrecke durchführen lassen, um den Artenschutz und die Bewirtschaftung zu optimieren.Diese Untersuchung ist auf der Jahreshauptversammlung 2014 von den Mitgliedern genehmigt worden. Die Gewässerwarte haben alle Planungen, Angebote und Genehmigungen dafür erarbeitet und eingeholt. Am Ende der Untersuchung erhält der SAV-Bebra einen Bericht und eine Dokumentation, um eine naturnahe Hege und Pflege des Gewässers planen zu können. Wir wollen einen guten und gesunden artenreichen Fischbestand in der Fulda erhalten. Die Bewirtschaftung soll den Ertrag und die biologische Vielfalt im und am Gewässer sichern und verbessern.

Fragestellung und Untersuchungsgebiet.

Der Fischereiverein SAV-Bebra bewirtschaftet als Pächter die Fulda vom Flusskilometer 0 bis 9 im Gemeindegebiet der Stadt Bebra. Die Fulda gehört zum Einzugsgebiet der Weser und hat eine Länge von rund 220 km und ein Einzugsgebiet von fast 7.000 km². Um die fischereiliche Bewirtschaftung weiter zu optimieren, wurde im Herbst 2014 eine Fischbestandserhebung an der Pachtstrecke des SAV Bebra durchgeführt. Vorrangiges Ziel war hierbei die Ermittlung des Arteninventars und der Bestandsdichten. Hierzu wurden repräsentative Gewässerabschnitte mittels Elektrofischerei untersucht. Darauf basierend sollen die wesentlichen Defizite herausgearbeitet und konkrete Maßnahmenvorschläge für die ökologische Aufwertung der Pachtstrecke abgeleitet werden.

Im Einzelnen sollen insbesondere die folgenden Fragen beantwortet werden:

  • Wie setzt sich der aktuelle Fischbestand zusammen?
  • Fehlen typspezifische Arten?
  • Bestehen aufgrund gewässerstruktureller Defizite Probleme beim Ablaichen der kieslaichenden Fischscharten?
  • Welche Maßnahmenbausteine können zur Verbesserung der Habitatqualität für die kieslaichenden Fischarten abgeleitet werden?
  • Sind Maßnahmen durch den Verein selbst initiierbar und umsetztbar? (kurz- bis mittelfristig)
  • Können Synergieeffekte (Natura 2000 und WRRL) identifiziert und genutzt werden. (mittel- bis langfristig)

Durchführung der Untersuchung.

Beginn der Untersuchung war am 03.09.2014 und endete am 06.11.2014 an 5 verschiedenen Befischungstagen. Herr Jens Eligehausen, Dipl.-Ing. M.Sc. für Landschaftsplanung und gewässerökologische Untersuchungen, hat mit seinem Team die Untersuchung durchgeführt. Während des genannten Zeitraums mussten immer wieder geplante Befischungstermine verlegt werden, da der Pegelstand der Fulda eine sinnvolle Befischung nicht zugelassen hat. Die Untersuchung wurde von interessierten Vereinsmitgliedern und den Gewässerwarten begleitet. Die Befischung wurde in sechs repräsentativen Abschnitten der Fulda durchgeführt. Es wurde die Methode des Elektrofischens vom Boot und in den Uferbereichen mit tragbarem Gerät angewendet. Das Regierungspräsidium Kassel, Dezernat Landwirtschaft und Fischerei, und der SAV-Bebra haben einen Bericht erhalten.

Für die Bewertung des Habitats ist es wichtig die verschiedenen Jahrgänge der Fische zu finden. Gelingt der Nachweis der 0+ bis mehrjährigen Fische einer Art im Gewässer, kann man von einer natürlichen Reproduktion ausgehen. Dies ist nicht der Fall, wenn nur große ausgewachsene Fische nachgewiesen werden. Diese Fische können besetzt oder zugewandert sein.

Material und Methodik

Karte der Probeentnahmestellen
Karte der Probeentnahmestellen

Es wurden insgesamt 9 Probestellen mit einer Gesamtlänge von mehr als 2.700 Metern befischt. Die Abbildung gibt eine Übersicht über die Lage der Probestellen.

An den sechs Probestellen (Abbildung) wurden die Uferbereiche und flachere Schnellen je nach Gewässertiefe mit einem tragbaren Elektrofischfanggerät (Bretschneider EFGI650) oder mit einem Kleinboot unter Einsatz einer Streifenanode stromauf abgefischt. Tiefere Bereiche bis zur Flussmitte wurden ausschließlich mit einem Kleinboot unter Einsatz einer Streifenanode stromauf und stromabwärts in 4-5 lateral versetzten Zügen befischt. Die Intensität der Beprobung der einzelnen Habitate erfolgte gemäß ihrer Häufigkeit im jeweiligen Gewässerabschnitt, so dass die verschiedenen Habitattypen näherungsweise repräsentativ beprobt wurden. Die innerhalb des Stromfeldes befindlichen Fische wurden von einer Hilfsperson mit einem Kescher gefangen und in eine mit frischem Wasser gefüllten Wanne zwischengehältert.

Potentielle Kieslaichplätze wurden gesondert befischt und protokolliert. Besonderes Augenmerk wurde hier auf die Substrateignung gelegt (Kolmationsgrad, Korngrößenzusammensetzung). Eine erhebliche Kolmation (Verringerung der Durchlässigkeit des Bodensubstrats) führt dazu, dass sich der besiedelbare Porenraum im Sohlsubstrat reduziert und dadurch zu einer verringerten Funktionsfähigkeit als Laichzone und Lebensraum  führt. Die Kolmation und die Korngrößenzusammensetzung sind in einer Strukturkartierung erfasst worden. Die Untersuchung des Kolmationsgrades wurde an drei Probestellen (LP3, LP4 und LP6) durchgeführt.

Gewässeruntersuchung-chemisch und biologisch.

Chemische Gewässeruntersuchung

Der Vorteil der chemischen Methode liegt darin, dass exakte Messwerte ermittelt werden können. Andererseits ist diese Untersuchungsmethode nur eine Momentaufnahme (wie ein Foto), lässt also keine Schlüsse auf vergangene Ereignisse zu. Der Sauerstoffgehalt gehört zu den wichtigsten chemischen Faktoren, daher muss er bei jeder Gewässeruntersuchung bestimmt werden. Er sollte möglichst wenig schwanken und immer in einem optimalen Bereich liegen, um den im Gewässer lebenden Organismen (insbesondere den Fischen) ein optimales Leben zu ermöglichen. Leider ist das Wunschdenken, da unsere Kiesgruben oft großen Schwankungen im Sauerstoffgehalt ausgesetzt sind (z.B. Tag/Nacht, Wassertemperatur, Jahreszeiten und pflanzliches Plankton).

Genauso wichtig ist der pH – Wert des Gewässers. Zum einen sind viele Organismen direkt davon betroffen, d.h. sie können nur in einem bestimmten Toleranzbereich existieren, sonst wirkt sich der pH–Wert negativ auf ihr Leben aus. Weiterhin wirkt er indirekt auf die Organismen, denn viele chemische Elemente im Gewässer verändern sich, wenn der pH–Wert sinkt oder steigt. So zum Beispiel Ammonium, das sich ab einem pH-Wert von 8 in Ammoniak umwandelt, welches für die Fische schädlich ist. Zu einer genauen Einschätzung der Gewässergüte müssen noch zahlreiche andere chemische Parameter bestimmt werden, wie zum Beispiel der Kalkgehalt, Nitrat- und Phosphatgehalte (Pflanzennährstoffe). Auch Umweltgifte, wie Schwermetalle, Insektizide und Herbizide haben schon in kleineren Mengen negative Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften in unseren Gewässern. Die chemische Gewässeruntersuchung kann in Fließ- und Stillgewässern durchgeführt werden.

Die chemische Untersuchung muss in jedem Fall so schnell wie möglich bei einem Fischsterben durchgeführt werden. Nur so kann eine eventuelle Einleitung von Schadstoffen festgestellt und gefunden werden. Auch ungewöhnliches Aussehen oder Gerüche an unseren Gewässern können Anzeichen sein, dass mit dem Wasser etwas nicht in Ordnung ist. Solche Vorfälle sollen sofort gemeldet werden, um eine zeitnahe Analyse und Dokumentation erstellen zu können. Alle Mitglieder sind aufgefordert, sollten solche Ereignisse beobachtet werden, diese sofort den Gewässerwarten oder dem Vorstand zu melden. Aus diesem Grund, werte Angelkameraden, achtet auf eure Gewässer.

Biologische Gewässeruntersuchung- Saprobiensystem

Das Saprobiensystem (biologische Gewässerklasse) beruht auf der Beobachtung, dass sich die Lebensgemeinschaft eines Gewässers mit der organischen Belastung in vorhersagbarer Weise ändert. Während manche Gewässerbewohner organischer Verschmutzung gegenüber unempfindlich und robust sind, kommen andere nur in nichtverschmutzten oder gering verschmutzten Gewässern vor, wobei ihre Toleranzbereiche sehr unterschiedlich sind. Andere Arten können  in organisch verschmutzten Gewässern gedeihen und sie kommen häufiger vor. Diese Beobachtungen sind aus der Biologie der Organismen erklärbar. So sind einige Arten und Artengruppen extrem sauerstoffbedürftig und gehen bei sinkendem Sauerstoffgehalt zugrunde. Andere Arten benötigen ein hohes Angebot an Nährsubstanzen (z.B. organisch angereicherten Schlamm), sie können jedoch unter Umständen bei geringem Sauerstoffgehalt überleben. Das Vorkommen und die Häufigkeit solcher Gewässerbewohner, die stark auf organische Verschmutzung reagieren, können zur Messung dieser Verschmutzung herangezogen werden, wenn die Toleranzbereiche für die einzelnen Arten bekannt sind. Im Saprobiensystem wird dazu jeder Indikatorart ein Wert, der Indexwert, zugewiesen. Dieser ist aus der Beobachtung zahlreicher verschmutzter und nichtverschmutzter Gewässer aus Erfahrung abgeleitet. Aus dem Mittelwert der Indexwerte aller dort lebenden Indikatorarten ergibt sich für eine untersuchte Probenstelle ein Zahlenwert, der sog. Saprobienindex. Die vorkommenden Arten werden also gewissermaßen als Messinstrumente für die organische Belastung benutzt. Durch die Verwendung zahlreicher Indikatorarten ist die Messung im Idealfall sehr gut abgesichert. Als Beispiel. Eine Steinfliegenlarve reagiert sehr empfindlich auf Gewässerverschmutzung. Werden bei der Untersuchung Steinfliegenlarven in großer Zahl und verschiedenen typischen Stellen im Fluss gefunden, ist das ein Hinweis darauf, dass an den Fundstellen in den vergangenen letzten Jahren die Wasserqualität gut war. Denn die Larvenentwicklung einer Steinfliege kann durchaus mehrere Jahre andauern. Genauso verhält es sich mit anderen Indikatorarten, wobei die verschiedenen Arten verschiedene Indexwerte haben. Das Saprobiensystem ist zur Bewertung stehender Gewässer nicht anwendbar.

Fotos zur Verfügung gestellt von Ulrich Bode und Michael Müller - Fliegenfischer-Forum

http://www.fliegenfischer-forum.de/index.htm

Die folgenden 3 Videos zeigen verschiedene Indikatorarten. Bachflohkrebse, Köcherfliegenlarven, Eintagsfliegenllarven etc. Dies sind nur einige wenige Arten, die zu einer biologischen Gewässerklassifikation bestimmt und gezählt werden. In unserer Fulda lebt eine Unterwasserfauna von Insekten und anderen Indikatoren, die eine gute Wasserqualität ausweisen.

Untersuchungsmethode

Zur Bestimmung des Saprobienindex ist folgendes Vorgehen notwendig.

  • Auswahl der Probenstelle: Da eine flächendeckende Analyse des Gewässers unmöglich wäre, sind typische Probenstellen auszuwählen, an denen der Index bestimmt werden soll. Die Auswahl der richtigen Probenstellen hat auf die Bedeutung der Ergebnisse gravierende Auswirkungen. Eine Probenstelle muss für die zu beurteilende Gewässerstrecke typisch sein (also z.B. nicht die einzige Stromschnelle in einem träge fließenden Tieflandsbach). Ihre Lage zu bekannten Schmutzwassereinleitungen oder Einmündungen von Nebengewässern ist naturgemäß wesentlich. Für größere Gewässersysteme werden Probenstellen meist nach vorgegebenem Raster (z.B. anhand der Gewässerkilometrierung) ausgewählt.
  • Sammeln der Gewässerorganismen: An der gewählten Probenstelle sind alle im Gewässer lebenden Indikatorarten aufzusammeln. Die Probennahmestelle sollte möglichst typisch für die Gewässerstrecke sein. Da die meisten Indikatorarten im Gelände nicht mit hinreichender Sicherheit bestimmbar wären, sind die Organismen in der Regel abzutöten und zu konservieren, um sie später mit Mikroskop oder einer Stereolupe bestimmen zu können. Da für den Saprobienindex nicht nur die Anwesenheit, sondern auch die Häufigkeit der Arten bekannt sein muss, muss die Probennahme so erfolgen, dass nicht viel verloren geht. Das hätte Einfluss auf die Bewertung der Häufigkeit. Im Verfahren ist dabei die Einordnung in Häufigkeitsklassen ausreichend.
  • Bestimmen der aufgesammelten Arten: Die meisten Saprobierarten sind nur unter Einsatz eines Mikroskops oder einer Stereolupe bestimmbar. Die Bestimmung vieler Arten ist schwierig und anspruchsvoll.
  • Auflisten der Indikatorarten der Probe mit ihrer Häufigkeit.
  • Berechnung des Index.
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